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Kurzgeschichte: Sarajys Bürde

 
 

  Autorin: Vanessa Gödecke

Sanft leuchtende Edelsteine, eingelassen in die glatte Felswand, erhellten die kleine, unterirdische Höhle gerade so sehr, dass man Umrisse erkennen konnte. Die Höhle war leer, bis auf ein mit Kissen gepolstertes, steinernes Bett, auf dem der Körper einer Frau ruhte.
Ihre langen blonden Haare waren wie ein Fächer um sie herum ausgebreitet, um ihren Leib war eine wollene Decke gehüllt. Ihre Augen waren geschlossen, die Lippen blau, die Haut war kalt.
Dort lag Sarajy seit Anbeginn der Nacht.
Lautlos trottete ein weißer Wolf in die Höhle, die Schnauze noch voller Blut von der eben erlegten Beute. Er sprang auf die felsige Ruhestätte, winselte leise und rollte sich an Sarajys Füßen zusammen. Er vermisste seine Herrin.
Und so verstrich die Zeit. Im Wald, außerhalb der Höhle, blühte das Leben. Bienen sammelten fleißig den letzten Honig, Käfer bohrten sich durch Baumrinden. Ein Fuchs erlegte einen Hasen. Jäger legten Fallen. Einige Vögel verbesserten ihre Nester, andere machten sich auf den langen Weg nach Süden, während die Blätter von den Bäumen fielen. Ein Bär, schon fett gefressen für den Winter, tapste nach Norden, Richtung Gebirge, zeitgleich vergrub ein Eichhörnchen in der Nähe fleißig seine Nüsse. Der Herbst hatte den Winter voll im Griff.
Und so verstrichen drei volle Tage.
 
Ein Ruck ging durch Sarajys Körper. Ihre Lider hoben sich, der Blick ihrer eisblauen Augen wurde scharf.
ENDLICH!
Am andern Ende der Welt war das Mädchen mit den vier Elementen erwacht. Alia, die letzte der Vorhergesagten. Ihre Aufgabe begann.
Bor, Selina, Hem und Alia. Drei der vier Auserkorenen würden niemals von ihrer, Sarajys Existenz erfahren. Und dennoch würde jeder einzelne ihrer Schritte auch das Vorgehen der Seherin beeinflussen.
Sarajy sah hunderte von möglichen Zukünften. Würde Bor seinen Meister töten oder fliehen? Sollte Selina sich für den Weg der Heilerin entscheiden oder den Pfad der Kriegerinnen wählen, wie ihre Eltern vor ihr? Würde Hems Krankheit ausbrechen oder bliebe sein Körper von dem Leiden verschont? Selbst welchen Mann Alia wählen würde, war von immenser Bedeutung und konnte die Zukunft der Welt beeinflussen.
Sarajys Aufgabe war es nun, folgende Generationen von Sehern zu beschützen und ihnen den Weg zu ebnen. Ihr Ansinnen war es, die Verfolgung der Seher zu unterbinden, bevor es dazu kam. Die Vier, die alle Elemente beherrschten. Waren der Schlüssel zur Rettung der Zukunft und der ganzen Sehergabe. Und nur Hem würde ihr zur Seite stehen. Die anderen drei waren wichtig, um das Gleichgewicht der Magie aufrecht zu erhalten, damit sie den rechten Weg sehen konnte.
Heute in genau zehn Tagen würde sie auf Hem treffen und musste ihn überzeugen, sie zu beschützen und an ihrer Seite zu stehen.
Geistesabwesend setzte sich Saraji auf und streichelte ihrem Wolf über den Kopf.
 
„Das Spiel beginnt“, flüsterte sie ihm zu.
 

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